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Anatomie

Künstler auf Visite

23.05. - 21.06.2002

Daniel Müller

Ohne Titel, Installation, 2002





Freischwebend ordnet Daniel Müller seine Arbeit einer Vitrine ein wie eine große, durch einen anatomischen Eingriff halb geöffnete Zelle, in deren Innerem ein skelettartig-anthropomorphes Gebilde aus Kupferdraht lineare Strukturen in den Raum setzt, die sich in ihrer Linienführung zu Körperhaft-Leiblichem heranbilden. Einzelne Glieder sind klar ausformuliert, andere eher vage gehalten






Als ambivalent teilt sich Müllers Arbeit dem Betrachter mit. Partiell sind einige Bereiche mit durchscheinendem Japanpapier überzogen, so dass sphärisch-flächenhafte Gebilde entstehen, die den Eindruck einer noch nicht abgeschlossenen Entwicklung hervorrufen und an das initiale Werden einer Haut innerhalb der Lineamente denken lassen, wodurch die Vorstellung eines menschlichen Körpers im Werden evoziert wird. Teilweise mit Wachs überzogen, entsteht auf dem Papier eine Oberflächenqualität, die der Haut von Verstorbenen gleicht. Hierzu kommt die Anlage der Körperhaltung, die, wie stürzend gegeben, zusätzlich zu der skelettartigen Bildung den Eindruck des Vergehenden stützt.
 
Die Linienskulptur ist eingelassen in eine "Zellmembran" aus mit Japanpapier überzogenem dünnem Draht in maschenartige Verwebung, der mit Japanpapier überzogen ist. Die "Zelle" ist zur Hälfte geöffnet, so dass der Betrachter, ähnlich wie bei in der Anatomie üblichen Sagittalschnitten, Einblick in das Zellinnere nehmen kann. Die Membran ist hier nahezu median entfernt, lediglich die zarten Linienstege des Drahtes bezeichnen die Grenzen des unmittelbaren Umgebungsraumes der humanoiden Darstellung im Zellinneren. So kann durch Standortwechsel des Betrachters sowohl das Äußere als auch das Innere des Zellgebildes erfahren werden.





Die Situation ist in einen Lichtraum gesetzt, in dem das Liniengerüst als Schattenlineament auf die Innenwand der Membran projiziert wird und so, in einer Duplizierung des Mediums, die skulpturale Zeichnung im Raum in eine zweidimensionale Linienzeichnung überführt wird. Die organisch-warme Membran steht im Gegensatz zu der technisch-kühlen Erscheinung der Vitrine. Das Behältnis der Vitrine selbst wird durch die innewohnende künstlerische Arbeit zu einem ambivalenten Gefäß. In der Wahrnehmung des Betrachters figuriert der Glaskubus einerseits als technische Voraussetzung für das Wachstum der Zelle, als technoide Bedingung für ihre Existenz, andererseits als überdimensioniertes Gefäß, das ein seziertes Präparat aufnimmt.

 

 

Andreas Bayer


Photos : Wolfgang Klaucke


Keplerstrasse 3-5   66117 Saarbrücken

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