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Anatomie
Künstler auf Visite
23.05. - 21.06.2002
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Svenja Ritter
Ohne Titel, Installation, 2002
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Welche Farbe hat der Tod? Menschenbilder und Gottesvorstellungen haben stets das Naturverständnis von Kulturen und Gesellschaftsstrukturen geprägt und eine je unterschiedlich geartete Farbsymbolik herausgebildet. Dabei spiegelt sich häufig die Qualifikation des Verhältnisses von Leben und Tod als ontologischen Nukleus in der entsprechenden Symbolik wider. In der mitteleuropäischen Kultur ist die christliche Vorstellung vom Tod interessanterweise eng mit der Farbe Schwarz verbunden, also durch Assoziationen wie Trauer, Verzweiflung, Hölle und schwarze Magie negativ konnotiert. Tatsächlich ist der Tod im Christentum ein Heilsversprechen und demnach positiv besetzt.
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Svenja Ritter umgeht in ihrer Installation bewusst die Ambivalenz tradierter Farbsymbolik und ermöglicht anhand zu beobachtender physischer Phänomene, die sich unmittelbar nach Eintritt des Todes offenbaren, ein nahes Herankommen an das Unvermeidbare: In der Vitrine liegend, breitet sich vor uns ein aus weißem Baumwollstoff zusammengenähtes Objekt aus, das sich sehr wohl am menschlichen Maß orientiert, aber dennoch die Extremitäten nur erahnen lässt. Angeschlossen ist dieses "Präparat" an zwei Dosierpumpen, mit deren Hilfe zum einen destilliertes Wasser und zum anderen rot-braune Farbe qua Injektionsnadeln infundiert wird. Die eingeleiteten Flüssigkeiten verändern nach und nach Inneres und Äußeres des Objekts bis sich die Farbe fleckenartig ausgebreitet und verdichtet hat. Ähnliche Vorgänge lassen sich bei der Hypostase (Senkungsblutfülle) beobachten, die sich u.a. nach Eintritt des Todes einstellt und zu den sogenannten Totenflecken auf der Haut führt. Mit Graurot und Rotviolett, den am häufigsten auftretenden Farben, bilden sich warme, Licht reflektierende Farben heraus wie sie in ähnlicher Weise an Ritters Objekt zu finden sind. Ein Farbspektrum, das alles andere als Assoziationen vom Tod wachruft aber dennoch offenkundiger Bestandteil dessen ist. Bei Svenja Ritter wird der Tod als unsichtbarer Aspekt des Lebens ein wenig sichtbarer, auch wenn er die einzige Gewissheit bleibt, die wir haben.
Klaus Holländer |
Photos : Wolfgang Klaucke

Keplerstrasse 3-5 66117 Saarbrücken
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