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Anatomie
Künstler auf Visite
23.05. - 21.06.2002
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Klaudia Stoll und Jacqueline Wachall
Der isolierte Blick, Installation, 2002
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Klaudia Stoll & Jacqueline Wachall platzieren in drei Vitrinen Monitore unterschiedlicher Größe, die in Augenhöhe auf Gitterrosten positioniert sind. Die Bildröhren mit der sich anschließenden Verkabelung sind freigelegt, ebenso die technischen Elemente der Schaltkreise, die der Bilderzeugung und -vermittlung auf den Monitoren dienen. Der Betrachter erhält so Einblick in die Komplexität der Einzelkomponenten, die als funktionale Einheiten erkannt werden, die in ihrer Funktionsweise für den Laien jedoch nicht nachvollziehbar sind. Dieses Offenlegen der Topographie, diese Zerteilung und Zergliederung der technischen Apparatur nimmt Bezug auf Aspekte anatomischer Arbeit. Stoll & Wachall legen die "Anatomie" der technisch-elektronischen Elemente ihrer Arbeit frei und suchen auch in der Bildauswahl den Bezug zur Leibesthematik
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Als Bildmotive erscheinen auf den Monitoren Körperfragmente, die aus dem lebendig-atmenden Leib mit einer Videokamera "herauspräpariert" sind. Das visuelle Motiv wird vollständig in Vergrößerungsgläsern und mit Wasser gefüllten Laborflaschen, die vor den Monitoren platziert sind, aufgenommen, so dass der Eindruck eines medizinischen Präparates entsteht, wie es in anatomischen Sammlungen aufbewahrt wird. Innerhalb der Laborflaschen erscheint das Bildmotiv der Monitore somit gleichsam als optisches Präparat, als technisch-visuelle Konservierung des aufgenommenen Bildmaterials. Als eigentümlich wird hierbei die Bewegtheit des Lebendig-Konservierten wahrgenommen, das zusätzlich zu dem Aspekt der ihm eigenen Vitalität auch durch den atmenden und sich bewegenden Betrachter in einer Lebendigkeit gehalten wird. Die Vergrößerungsläser und die mit Wasser gefüllten Gefäße verunklären in optischer Verzerrung die visuellen Motive, denen so eine Qualität der Ambivalenz zwischen dinglich-semantisch Benennbaren und sich entziehender Konkretheit eignet.
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In der offensiv vorgetragenen technoiden Situation der Installation entfaltet sich ein intensives Abhängigkeitsverhältnis der lebendigen Bildmaterie von einem technischen Umfeld, wie es Besuchern von Intensivstationen begegnet. Ebenso wie in solchen klinischen Einrichtungen, in denen der menschliche Leib in seiner Fragilität durch technische Geräte am Leben erhalten wird, wird auch die Lebendigkeit der "Präparate" in der Arbeit der Künstlerinnen gespeist durch Kabelstränge, die hier auch wie Nervenbahnen erscheinen, als Leitsysteme, die eine Mittlerfunktion einnehmen und, ausgehend von den technischen Apparaturen der Bildaussendung, den sinnlichen Eindruck des visuellen Motives auf die Monitore transportieren. "Der isolierte Blick", mit dem die Künstlerinnen ihre "Präparate" hergestellt haben, spiegelt sich im Vorgang der Betrachtung durch den Ausstellungsbesucher, bei dem das synthetisch transportierte Bild durch den Wahrnehmungsapparat des Auges aufgenommen und analog in einen sinnlichen Eindruck übersetzt wird.
Andreas Bayer |
Photos : Wolfgang Klaucke

Keplerstrasse 3-5 66117 Saarbrücken
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